Wenn der Ernstfall eintritt: Ein großer Schadenfall im Profisport und was er über echtes Maklerhandwerk verrät
Versicherungsvermittlung im Profisport klingt nach großem Namen, exklusivem Zugang und hohen Provisionen. Doch diese Vorstellung greift viel zu kurz.
Tobias Lommer
Sportökonom & Gründer von The Finance Athletes
In Wahrheit verlangt dieses Segment ein außergewöhnlich hohes Maß an Professionalität, Präsenz und Verantwortung. Denn Profisportler sind keine klassische Zielgruppe.
Sie bewegen sich in einer Welt, die von maximaler körperlicher Leistung, hohem Zeitdruck und einem permanenten Fokus auf sportliche Performance geprägt ist. Für Versicherungsfragen bleibt da wenig Raum.
Deshalb braucht diese Klientel etwas, das viele unterschätzen: jemanden, der für sie denkt, strukturiert, sortiert und konsequent die Dinge erledigt, die im Hintergrund laufen müssen. Denn die Athleten erwarten Premiumservice in jeder Phase der Betreuung. Ein Schadenfall aus diesem Jahr zeigt eindrucksvoll, wie viel Expertise und operative Arbeit tatsächlich hinter der Absicherung eines einzigen Profis steckt.
Ein Moment entscheidet über die komplette Saison
Der Tag beginnt völlig unspektakulär. Bundesliga, später Samstagnachmittag, Spieltag läuft. Die Fußballfans unter uns kennen es. Es ist circa 17:18 Uhr, 93. Minute. Ich schaue das Spiel eines unserer Klienten, als ich sehe, wie er nach einer Flanke im Rasen hängen bleibt und eine sehr ungesunde Bewegung macht. Für viele nur eine Szene in Zeitlupe, eine weitere Verletzung. Bei mir klingen alle Alarmsirenen. Immer wenn ein Mandant auf dem Boden liegt, werde ich unruhig.
Ich rufe direkt meinen Kollegen an: „Jannik, der hat sich gerade richtig schwer verletzt.“
Wenig später, auf dem Weg zum Geburtstagsessen mit meinem Vater, klingelt das Telefon. Der Teammanager des Bundesligisten sagt: Der Spieler wird am Abend operiert. Saison-Aus.
In diesem Moment läuft bei uns im Kopf der komplette Risikoprüfungsfilm ab:
  • Ist der Schutz aktiv?
  • Ist alles sauber dokumentiert?
  • Sind Prämien überwiesen?
  • Gibt es offene Punkte?
Selbst wenn man alles korrekt gemacht hat, prüft man in solchen Momenten dreifach nach. Jede und jeder hier, die oder der schon einmal einen großen Schaden bearbeitet hat, kennt es.
Der Startpunkt: ein kompletter Neuaufbau der Absicherung
Der Spieler war erst wenige Wochen zuvor in die Bundesliga gewechselt. Das bedeutet für uns: einmal alles neu aufsetzen. Private Krankenversicherung, Krankentagegeld, Sportinvalidität – inklusive medizinischer Tests, Blutbilder, ärztlicher Berichte und der vorläufigen Deckungszusage eines Spezialversicherers.
Wir erhalten die Bestätigung, und der Spieler überweist die fünfstellige Prämie. Ironischerweise genau in der Woche, in der er sich verletzt.
Und trotz aller Professionalität bleibt ein Rest Nervosität: Haben wir wirklich jedes Detail im Griff?
Wenn die Verletzung da ist, beginnt die eigentliche Arbeit
Wenn klar ist, dass eine Spielerin oder ein Spieler über Wochen oder Monate ausfällt, startet der Prozess des Krankentagegeldes. Und genau hier trennt sich im Profisport die Spreu vom Weizen. Denn jetzt geht es nicht um Produktwissen, sondern um operative Exzellenz.
Wir besorgen:
  • AU-Bescheinigungen
  • OP-Berichte
  • Unfallberichte
  • fortlaufende Arztunterlagen
  • Dokumentationen des Heilverlaufs
  • Abschlussberichte
Wir füllen Formulare für den Versicherer aus, klären Rückfragen, stimmen uns mit Ärztinnen und Ärzten, Verein sowie Spielerinnen und Spielern ab und halten alle Beteiligten synchron. Mit Spezialversicherern wie Barmenia oder HDI Global funktioniert das im Premiumsegment in der Regel hervorragend.
Aber dennoch ist und bleibt es echte Handarbeit. Hier ist nichts mit Digitalisierung, drei Haken setzen und Abfahrt.
Der deutlich schwierigere Teil: VBG und Krankenkasse
Weil es sich um einen Berufsunfall handelt, hat der Spieler Anspruch auf Verletztengeld. Und hier wird es erfahrungsgemäß zäh.
Der Prozess läuft so:
  • Verein muss Unfallmeldung einreichen
  • Arzt oder Ärztin muss Unterlagen an die BG schicken
  • BG prüft, stellt Rückfragen
  • Verein muss wieder antworten
  • BG leitet irgendwann an die Krankenkasse weiter
  • Krankenkasse startet den ganzen Fragenkatalog erneut
Dazu kommt die Sprachbarriere. Viele Spieler sprechen kein Deutsch. Sie öffnen Post nicht oder verstehen sie nicht. Also stehen wir dazwischen – zwischen Verein, Spieler, BG und Krankenkasse – und versuchen, Chaos in Ordnung zu verwandeln.
Der Fall, der zum 30. Juni 2025 eigentlich abgeschlossen hätte sein müssen, ist Anfang Dezember immer noch offen. Während die privaten Versicherer schnell und zuverlässig ausgezahlt haben – in Summe über 100.000 Euro – steht das Verletztengeld der BG weiterhin aus.
Für den Spieler war das private Krankentagegeld jedoch entscheidend. Es ersetzt sein Grundgehalt während der Ausfallzeit. Ohne diese Absicherung hätte die Situation für ihn eine ganz andere finanzielle Konsequenz gehabt.
Warum der Fall so krass ist
Wir haben den Spieler extrem früh versichert, quasi noch bevor er richtig in der Bundesliga angekommen war. Direkter geht Betreuung kaum. Wir waren Teil seines Starts in Deutschland, haben ihn aufgebaut, begleitet und geschützt.
Und dann kommt die Besonderheit dieses Falls:
Der Spieler war erst im Winter nach Deutschland gewechselt – und zwar nur auf Leihbasis. Im Sommer sollte er eigentlich zurück zu seinem ursprünglichen Verein im Ausland. Viele hätten in so einer Konstellation auf umfassenden Schutz verzichtet.
Von Spielerinnen und Spielern hört man dann häufig: „Für ein halbes Jahr Bundesliga brauche ich doch kein Vollpaket.“ Von Beraterinnen und Beratern manchmal sogar: „Die Chance, dass da etwas passiert, ist doch minimal.“ Aber genau das ist der Denkfehler.
Wir haben auf die volle Absicherung bestanden und der Spieler hat vertraut. Heißt: intelligente Entscheidung des Spielers, richtige Einschätzung der Risiken durch uns.
Und dann passiert tatsächlich das Unwahrscheinliche:
Er verletzt sich in seiner dritten Bundesliga-Woche so schwer, dass er den Rest der Saison ausfällt. Genau deshalb war dieser Fall emotional. Weil man weiß, dass die Absicherung keinen theoretischen Wert hatte – sie hat den Spieler real geschützt.
Und weil klar ist: Ohne diese Entscheidung wäre er finanziell komplett anders in dieses Jahr gegangen. Das ist der Moment, in dem man merkt, warum man diesen Job macht.
Der Schadenfall zeigt also:
Unsere Arbeit besteht nicht aus Produktverkauf, sondern aus Verantwortung. Sie besteht aus Kommunikation, Struktur, Detailarbeit und dem Verständnis, dass Athleten jemanden brauchen, der für sie im Hintergrund alles sortiert. Profisportler zu versichern ist zwar schon ein Prestigeprojekt. Es ist eine aber vor allem eine anspruchsvolle, arbeitsintensive und hochsensible Aufgabe. Sie verlangt Fachwissen, Präsenz und ein extrem hohes Servicelevel – weit über das hinaus, was klassische Mandanten erwarten.
Nur wer bereit ist, genau dieses Niveau zu liefern, besteht in diesem Segment. Und nur dann entsteht auch echte Expertise.
Dieser Beitrag erschien zuerst unter: www.maklerblog.de
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